Zwei befreundete
Weihnachtsengel
von
Ramona Schweiger
Es waren einmal zwei befreundete Weihnachtsengel.
Sie hießen Andrea und Ramona und hatten sich schrecklich lieb.
Als Weihnachten näher rückte, ertappte Ramona Andrea öfter dabei,
dass sie etwas vor ihr versteckte, sobald sie in ihre Nähe kam.
Neugierig wie der Weihnachtsengel Ramona war, fragte sie Andrea, was
sie denn da habe. Andrea wollte es ihr aber nicht sagen. Deshalb war
Ramona ihr beleidigt.
Als
der Weihnachtsengel Andrea gerade bei der Arbeit in der riesigen
Weihnachtsfabrik war, kam Ramona zufällig vorbei. Sie wollte immer
noch wissen, was Andrea vor ihr verstecken wollte und als sie wieder
auf taube Ohren stieß, schrie sie Andrea an: „Dann halt nicht!“ Und
sie stapfte wütend davon. Da wurde der Weihnachtsengel Andrea ganz
traurig und fing an zu weinen. Versehentlich blieb sie mit dem Ärmel
ihres Kleidchens an einem Hebel hängen, während sie eine Träne
wegwischte, und betätigte ihn. Auf dem Hebel stand:
Wolkenproduktion.
Oh je! Dieser Hebel sorgte normalerweise für die Herstellung von
Transportwolken, die die Geschenke zwischen den verschiedenen
Bereichen der Fabrik hin- und herfliegen. Doch einen Tag vor
Weihnachten waren fast alle Geschenke fertig und es wurden keine
weiteren Wolken benötigt. Leider jedoch hatte der
Chefmechanikerengel einen Fehler in der Wolkenmaschine festgestellt,
den er nach den Weihnachtsfeiertagen beheben wollte. Normalerweise
produzierte die Maschine nämlich handliche wattebauschähnliche
Wolken, auf die man gut Geschenke stellen konnte, aber vor kurzem
fing sie an, Nebel zu verbreiten und es wurde beschlossen, die
Wolkenproduktion bis auf weiteres einzustellen.
Als diese nun anfing, Nebel zu verbreiten, bekam Weihnachtsengel
Andrea einen Schreck, denn sie wusste nichts von dem Fehler und
dachte, sie hätte die Wolkenmaschine kaputt gemacht. Aufgeregt lief
sie hin und her anstatt die Maschine abzustellen und jammerte
fürchterlich. Plötzlich stand der Weihnachtsmann hinter ihr. „Ja,
was ist denn hier los?“ sagte dieser mit seiner tiefen, ruhigen
Stimme. Andrea klammerte sich an den Ärmel des Weihnachtsmannes und
schluchzte: „Ich habe die Wolkenmaschine kaputt gemacht. Das wollte
ich nicht!“ „Aber nein, die Maschine war schon vorher kaputt. Da
kannst du nichts dafür. Hör auf zu weinen.“ Er stellte die Maschine
ab. Doch Weihnachtsengel Andrea heulte immer noch: „Ich kann nicht.
Das wäre alles nicht passiert, wenn wir uns nicht gestritten
hätten!“ „Na dann erzähl doch mal“, tröstete der Weihnachtsmann
Andrea. Und als Weihnachtsengel Andrea ihre Geschichte beendet
hatte, sagte er zu ihr: „Dann sag Ramona doch einfach, dass du ihr
erst an Weihnachten zeigen kannst, was du vor ihr versteckst.“
Andrea erwiderte: „Aber ich wollte sie doch überraschen. Und so weiß
sie doch bestimmt, dass ich ein Geschenk für sie habe!“ „Ja, wenn
ich das gewusst hätte“, hörte Andrea eine Stimme hinter sich sagen,
„dann wär ich dir doch nie beleidigt gewesen. Ich habe gedacht, du
magst mich nicht mehr.“ Als Andrea sich umdrehte, stand Ramona mit
Tränen in den Augen hinter ihr und schniefte. „Es tut mir Leid.“ Die
beiden umarmten sich und hatten sich wieder lieb. Für die Zukunft
nahmen sie sich fest vor, einander alles zu sagen, sodass es gar
nicht erst zu Missverständnissen kommen konnte.
weitere Weihnachtsgeschichten von Andrea Schober:
Weihnachten unter dem Mistelzweig
Das
Krippenspiel der Weihnachtsengel
Vielen Dank an die Ramona
Schweiger, die uns diese Weihnachtsgeschichte zur Verfügung gestellt
hat. Die Copyrightrechte liegen bei der Autorin. Copyrightrechte
Foto:
Günter Fellner |
12/2011, Weihnachtsmarkt im Reservegarten Hirschstetten