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DIE WEIHNACHTSMISSION
Autor: Klaus-Peter Behrens
 


Lieber Weihnachtsmann,

bitte sei nicht böse, daß ich nicht an Dich geglaubt habe.
Heute aber sind so viele Dinge, die  ich mir gewünscht habe, in Erfüllung gegangen, daß ich sicher bin, Du hast hier geholfen. Dafür danke ich Dir. Wenn Du Zeit hast, schau doch einmal bei mir vorbei. Svenja, Tim, Stuka und ich würden uns sehr darüber freuen. Ich glaube, Stuka hat auch noch einen Wunsch. Sei doch so lieb,
und erfülle ihn ihr.

Deine Lisa

 

Der Weihnachtsmann wischte sich unauffällig mit dem Mantelärmel über die Augen, nachdem er die letzten Worte niedergeschrieben hatte.

„Meinst du, er bekommt den Brief noch?“

„Mach dir keine Sorgen, ich werde ihn ihm persönlich überbringen“, versprach der Weihnachtsmann.

„Vielen Dank“, jubelte Lisa und umarmte den Weihnachtsmann innig. „Irgendwie bist du auch ein wenig wie der Weihnachtsmann“, sagte sie mit einem herzlichen Lächeln. „Dir fehlen nur ein paar Haare.“ Dann wandte sie sich um und rannte aus der Küche hinaus. „Svenja, Tim, ich muß euch etwas erzählen“, rief sie.

In der Küche blieben der Weihnachtsmann und Stuka allein zurück. Die Gans sah den Weihnachtsmann fragend an. Irgendwie spürte sie, daß gerade etwas Bedeutsames passiert war. „Mach’s gut Stuka, und grüß deinen Schwarm von mir“, sagte der Weihnachtsmann mit warmer Stimme, während die Küchenuhr auf achtzehn Uhr umsprang. Seine Zeit hier war abgelaufen. Eine Wolke aus glitzernden Sternenstaub in allen Farben des Regenbogens entstand plötzlich aus dem Nichts und schmiegte sich um den Weihnachtsmann, so daß Stuka erschrocken schnatterte.

Im Wohnzimmer hatte Lisa inzwischen berichtet. „Na dann laden wir ihn doch zum Dank zum Abendessen ein“, sagte Svenja und begab sich zur Küche, gefolgt von Lisa und Tim. „Hätten Sie Lust....“, begann sie und brach jedoch ab, als sie erstaunt feststellte, daß der Fremde verschwunden war. Nur Stuka, die einen leicht verstörten Eindruck machte, stand inmitten der Küche und blickte sich um, als suche sie etwas.

„Wo ist er hin?“, fragte Svenja erstaunt. Das Küchenfenster war verschlossen, und der Weg über die Haustür führte unweigerlich über das Wohnzimmer. Er konnte unmöglich verschwunden sein. „Das ist geradezu unheimlich“, sagte Svenja, die fragend zu Tim hinüber sah, doch der zuckte auch nur ratlos mit den Achseln. Beide fragten sich insgeheim, ob hier nicht mehr als bloßer Zufall im Spiel war. Aber es laut auszusprechen, trauten sie sich nicht. Lisa hingegen hatte solche Probleme nicht. Wenn sie es recht überdachte, gab es hierfür nur eine Erklärung, und die war so wunderbar, daß Lisa sie kaum fassen konnte.

„Vielleicht war er ein Helfer des Weihnachtsmannes oder vielleicht...“, sie stockte kurz, „war er sogar der Weihnachtsmann selbst“, führte sie den Satz ehrfürchtig zu Ende.

Nat, nat, nat!“, pflichtete ihr Stuka mit Nachdruck bei.

„Steht die Reiseroute fest?“, fragte der Weihnachtsmann. Mit Stolz betrachtete er den prächtigen Schlitten, dessen Ladefläche vor Geschenken überquoll. Gleich sechs Rentiere hatte sein umsichtiger Helfer Ruphus diesmal davor angespannt.

„Alles einprogrammiert, Chef“, bestätigte Ruphus.

„Keine Geschenke vergessen?“

„Alle Wünsche wurden berücksichtigt“, beeilte sich Zwolgo zu versichern, der unter einem Stapel von Listen zu versinken drohte.

„Gut, gut“, freute sich der Weihnachtsmann. Voller Vorfreude kletterte er auf den Schlitten hinauf, wo ihn Ruphus bereits erwartete. Ein Blick über den Platz bestätigte ihm, daß die Abfahrt wie jedes Jahr von keinem der Bewohner des Weihnachtsdorfes versäumt wurde. Von überall winkten ihm Elfen und Zwerge zu. Kleine Fahnen wurden geschwenkt, und ein stimmungsvolles Nordlichtspektakel sorgte im Hintergrund für den angemessenen Rahmen.

„Also dann los“, sagte der Weihnachtsmann, worauf Ruphus den Befehl weitergab und der Schlitten sich auf einer Wolke von Sternenstaub unter dem Jubel der Zurückbleibenden in den Himmel hob. „Wir müssen übrigens noch einen kleinen Umweg einplanen“, wandte sich der Weihnachtsmann an Ruphus, dem Schlimmes schwante. Wenn der Weihnachtsmann so anfing, stand ihnen in der Regel ein haarsträubendes Abenteuer bevor. „Ein junger Gitarrenspieler in Hamburg braucht meine Hilfe. Es ist wirklich nur ein klitzekleiner Umweg...“

 

Vingo und Zwolgo blickten in selten stummer Eintracht dem kleiner werdenden Schlitten hinterher. Doch dann stutzten sie plötzlich. Normalerweise wurde das Entschwinden des Weihnachtsmanns in den nächtlichen Polarhimmel mit einem klassischen Weihnachtslied verabschiedet, das der Weihnachtsmann jedes Jahr neu aussuchte. Aber das, was nun plötzlich wie von Zauberhand erklang, hatten sie noch nie gehört.

 

„Driving home for Christmas....

With a thousand memories....“

 

Ende

 

 

Fröhliche Weihnachten, und wenn Euch im Weihnachtstrubel der Kaufhäuser ein gestreßter Weihnachtsmann begegnet, habt Mitleid mit ihm. Man kann nie wissen, wer sich hinter der Maske verbirgt.

 

Euer

Klaus-Peter Behrens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

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6. Kapitel

Die weiteren Kapitel:
1. Kapitel
2. Kapitel

3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel



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